
Ford und Geely bereiten ein Joint Venture im Ford-Werk in Almussafes nahe Valencia vor. Dort sollen fünf Fahrzeuge für den europäischen Markt montiert werden: der Ford Kuga, ein neuer kompakter Ford Bronco, ein weiterer Familien-Crossover von Ford sowie zwei vollelektrische SUV der Marke Geely.
Die Vereinbarung wurde am 23.07.2026 bekannt gegeben. Laut einer offiziellen Mitteilung von Ford wird Ford 66 % am Joint Venture halten, während Geely Auto 34 % gehören. Die Transaktion muss noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden.
Wann startet das Joint Venture?
Ford und Geely wollen die neue Struktur im ersten Halbjahr 2027 offiziell starten. Die ersten neuen Fahrzeuge sollen 2028 vom Band laufen. Bis dahin wird die Produktion des Ford Kuga in Valencia ohne Unterbrechung fortgesetzt.
Das Werk ist seit 1976 in Betrieb: Im Mai 1976 begann hier die Montage des ersten Ford Fiesta. Die angegebene potenzielle Produktionskapazität liegt bei rund 500 000 Fahrzeugen pro Jahr. Wie viele Autos nach dem Start aller fünf Modelle tatsächlich gebaut werden sollen, haben die Unternehmen bisher nicht mitgeteilt.
Fahrzeug | Bestätigte Angaben | Zeitraum | Noch offen |
|---|---|---|---|
Ford Kuga | Das aktuelle Modell bleibt auf der Produktionslinie; die Fertigung wird wegen der Gründung des Joint Ventures nicht unterbrochen | Wird derzeit gebaut | Änderungen am Modellprogramm nach dem Start des Joint Ventures wurden nicht angekündigt |
Neuer Ford Bronco | Kompakter SUV für europäische Straßen und neues Mitglied der globalen Bronco-Familie | Produktion ab 2028 | Plattform, Motoren, Abmessungen, technische Daten und Preis |
Neuer Ford-Crossover | Familienmodell, das von Ford konzipiert und gemeinsam mit Geely entwickelt wird; verschiedene Antriebsarten wurden angekündigt | Markteinführung 2028 | Name, Plattform, Antriebsangebot und Absatzmärkte |
Erster vollelektrischer SUV von Geely | Vollelektrisches Modell für den europäischen Markt | Produktion ab 2028 geplant | Name, Batterie, Leistung, Reichweite und Preis |
Zweiter vollelektrischer SUV von Geely | Zweites vollelektrisches Modell der Marke im Produktionsprogramm des Joint Ventures | Die genaue Reihenfolge des Produktionsstarts wurde nicht bekannt gegeben | Name, Fahrzeugklasse, technische Daten und Produktionsbeginn |

Der Ford Kuga bleibt im Produktionsprogramm
Der Kuga ist derzeit das einzige Ford-Modell, das in Valencia montiert wird. Nach der Gründung des Joint Ventures bleibt er auf der Produktionslinie und wird eines von drei Ford-Modellen im neuen Produktionsprogramm sein.

Das ist ein entscheidender Punkt: Das Werk wird weder an Geely übergeben noch durch ein chinesisches Modell als Ersatz für den Kuga umgestellt. Künftig sollen dort gleichzeitig Fahrzeuge beider Marken entstehen. Die gebündelten Produktionsmengen sollen die Auslastung des Standorts verbessern und die Kosten für Entwicklung und Fertigung auf beide Partner verteilen.
Der europäische Ford Bronco wird ein eigenständiges Kompaktmodell
Das zweite Ford-Modell wird ein neues Mitglied der Bronco-Familie. Ford beschreibt es als kompakten SUV, der für Fahrten abseits befestigter Straßen geeignet und auf europäische Straßen abgestimmt ist. Die Produktion soll 2028 beginnen.
Das Fahrzeug sollte daher nicht vorschnell mit dem amerikanischen Bronco mit Leiterrahmen oder dem aktuellen Bronco Sport gleichgesetzt werden. Ford hat die Plattform, die Abmessungen und die Antriebe des europäischen Modells bislang nicht genannt. Berichte der Fachpresse über eine mögliche technische Verwandtschaft mit dem Kuga bleiben eine Vermutung und sind keine offizielle Angabe.
Den dritten Ford entwickelt Geely mit
Als weiteres neues Modell ist ein Familien-Crossover geplant, dessen Design von Ford stammt und der gemeinsam mit Geely entwickelt wird. Der Hersteller verwendet dafür die Bezeichnung Multi-Energy: Das Modell soll mehrere Antriebsvarianten unterstützen. Welche das genau sein werden – Benziner, Hybrid, Plug-in-Hybrid oder Elektroantrieb – ist noch offen.
Ford betont, dass der Crossover keine einfache Geely-Kopie mit einem anderen Logo sein wird. Er soll eine eigenständige Karosserie und eigene Abstimmungen erhalten, die technische Architektur wurde jedoch noch nicht genannt. Die Markteinführung ist für 2028 geplant. Das Modell wird Teil des Programms von fünf neuen Ford-Fahrzeugen für Europa, das Ford bis 2029 umsetzen will.

Welche Geely-Modelle werden in Spanien gebaut?
Geely übernimmt den verbleibenden Teil des Programms mit zwei vollelektrischen SUV. In einer offiziellen Mitteilung von Geely Auto heißt es, dass die ersten Fahrzeuge der Marke 2028 vom Band laufen sollen. Konkrete Namen, Fahrzeugklassen und technische Daten wurden nicht veröffentlicht.
Es lässt sich derzeit nicht behaupten, dass in Valencia bereits vorgestellte Modelle wie der Geely EX5, der EX2 oder andere bestehende Fahrzeuge gebaut werden. Die Unternehmen sprechen lediglich von zwei elektrischen SUV. Unklar ist auch, ob sie auf derselben Architektur wie der gemeinsame Ford-Crossover basieren werden.
Warum die Produktion innerhalb der Europäischen Union für Geely vorteilhaft ist
Eine lokale Montage verkürzt die Transportwege und erleichtert es, Fahrzeuge schneller an die Anforderungen der europäischen Märkte anzupassen. Hinzu kommt der handelspolitische Kontext: Am 30.10.2024 gab die Europäische Kommission endgültige Ausgleichszölle auf die Einfuhr von Elektrofahrzeugen aus China bekannt. Für Geely wurde ein zusätzlicher Zollsatz von 18,8 % festgelegt. Diese Angaben sind in den Unterlagen der Europäischen Kommission veröffentlicht.

Ford und Geely begründen ihre Partnerschaft offiziell jedoch nicht allein mit den Zöllen. Sie nennen drei Ziele: das Werk auszulasten, die Entwicklungskosten zu teilen und die Kosten der europäischen Produktion an das neue Niveau der Branche heranzuführen. Die geringere Abhängigkeit von Importen ist daher eine Folge der Lokalisierung, aber nicht der einzige genannte Grund für die Vereinbarung.
Warum Ford und Geely bereits miteinander vertraut sind
Die Zusammenarbeit der Unternehmen begann lange vor dem Projekt in Valencia. Am 28.03.2010 unterzeichnete Geely eine Vereinbarung zum Kauf von Volvo Cars von Ford; am 02.08.2010 wurde die Transaktion abgeschlossen. Nun entwickeln und produzieren die früheren Käufer und Verkäufer erstmals gemeinsam Fahrzeuge.
Für Ford bietet die Vereinbarung die Möglichkeit, einen großen europäischen Produktionsstandort zu erhalten und die Modellpalette zu erweitern, ohne alle Bestandteile einer neuen Architektur allein finanzieren zu müssen. Geely erhält eine Produktionsbasis innerhalb der EU und kann Fahrzeuge näher an den Kunden bauen.
Was die Vereinbarung für Käufer bedeutet
Das wichtigste Ergebnis: Die europäische Ford-Palette soll um zwei neue Crossover erweitert werden, während Geely erstmals eigene Modelle in einem Ford-Werk in Spanien fertigen lässt. Bei den künftigen Ford-Modellen dürfte die Auswahl an Antrieben zudem breiter ausfallen als eine reine Konzentration auf Elektrofahrzeuge.
Eine lokale Produktion garantiert für sich genommen keine niedrigen Preise. Ford und Geely haben weder die Preise der künftigen Fahrzeuge noch Ausstattungen, Produktionsmengen oder die Länder für den Verkaufsstart bekannt gegeben. Diese Informationen werden voraussichtlich erst näher am Produktionsbeginn 2028 folgen.










