
Der HORSE B20 ist ein 2,0-Liter-Benzinmotor mit Turbolader, der auch dann arbeiten soll, wenn der Antriebsstrang bis zu 1,1 Meter tief in Wasser eingetaucht ist. HORSE Powertrain veröffentlichte seine technischen Daten am 8. September 2026. Der Motor ist nicht für Boote gedacht, sondern für Hybrid-SUVs und Pick-ups, die tiefe Furten durchqueren müssen.
Das Wasser nimmt nicht am Verbrennungsprozess teil und ersetzt nicht die Ansaugluft. Die Besonderheit des B20 besteht laut Hersteller in der Abdichtung des Motorgehäuses, der elektrischen Komponenten und der Verbindung zum Getriebe. Die offiziellen Unterlagen erklären nicht, wie bei einem konkreten Fahrzeug die Luftzufuhr und die Abgasführung umgesetzt werden. Das ist Aufgabe des gesamten Antriebssystems.
Drei Daten in der Geschichte des HORSE B20

Am 23. April 2025 stellte Geely auf der Automesse in Shanghai den Prototyp Galaxy Cruiser vor. Der Hersteller nannte für das Fahrzeug ein Furtwarnradar, ein Fahrzeugsonar, die Fähigkeit, Wasser mit einer Tiefe von mehr als 800 mm zu durchqueren, sowie eine Schwimmfähigkeit von bis zu zwei Stunden. Diese Angaben sind auf der offiziellen Geely-Website beschrieben.
Im April 2026 zeigte HORSE den B20 erstmals auf der Automesse in Peking. Detaillierte technische Daten wurden damals noch nicht mit einer Mitteilung über den Beginn der Serienproduktion verbunden.
Am 8. September 2026 veröffentlichte HORSE eine technische Beschreibung des B20 und teilte mit, dass der Motor im Plug-in-Hybridantrieb des Geely Galaxy Cruiser 700 für den chinesischen Markt eingesetzt wurde.
Prototyp und Serienfahrzeug sollten nicht verwechselt werden
Der Galaxy Cruiser aus dem Jahr 2025 zeigte eine Reihe zukunftsorientierter Geländetechnologien. In der Mitteilung von HORSE vom September 2026 wird bereits der Galaxy Cruiser 700 mit B20 und dem dreistufigen Hybridgetriebe 3DHT230 genannt. HORSE hat jedoch weder den Produktionsbeginn des Motors noch das geplante Produktionsvolumen oder eine Liste weiterer Modelle bekannt gegeben, die ihn erhalten sollen.
Technische Daten des HORSE B20
Parameter | Angegebene Daten |
|---|---|
Bauart | Aufgeladener Benzin-Reihenvierzylinder |
Hubraum | 1,999 l |
Einspritzung | Direkteinspritzung, Benzin-GDI |
Leistung | 140–185 kW beziehungsweise etwa 190–252 PS |
Drehmoment | 300–380 N·m |
Masse | 130 kg |
Arbeitszyklus | Miller-Zyklus |
Angegebener Wirkungsgrad | 48,4% |
Wasserschutz | IPX8, Betrieb bei einer Eintauchtiefe von bis zu 1,1 m |
Hybridsysteme | HEV, PHEV und REEV |
Abgasnorm | China 6b |
Die Spanne von 140–185 kW bedeutet, dass sich der Motor auf unterschiedliche Fahrzeuge und Hybridkonzepte abstimmen lässt. In einem klassischen HEV arbeitet er gemeinsam mit einem Elektromotor. Beim PHEV ergänzt er eine am Stromnetz aufladbare Batterie. In einem REEV kann er überwiegend einen Generator antreiben, während die Räder elektrisch bewegt werden.

Die Angabe von 48,4% ist eine Herstellerangabe und kein Ergebnis eines unabhängigen Fahrzeugtests. Gemeint ist der effektive Wirkungsgrad des Motors, also der Anteil der im Kraftstoff enthaltenen Energie, der in nutzbare mechanische Arbeit an der Welle umgewandelt wird. Aus diesem Wert lässt sich der Verbrauch eines konkreten SUV nicht direkt berechnen. Dafür müssten unter anderem Fahrzeugmasse, Aerodynamik sowie die Kenndaten von Batterie, Getriebe und Hybridsteuerung bekannt sein.
Wie der Motor vor Wasser geschützt wird
HORSE beschreibt den B20 als vollständig abgedichteten Antriebsstrang. Zwischen Motor und Getriebe kommen spezielle Dichtungen zum Einsatz. Außerdem verfügt die Konstruktion über Dämpfer für Drehschwingungen. Auch die elektrischen Komponenten und Sensoren sind nach IPX8 geschützt.

Wenn die Sensoren ein Eintauchen erkennen, verändert die elektronische Motorsteuerung die Betriebsparameter. Sie kann die Leistung begrenzen oder das Ansprechverhalten des Gaspedals anpassen. Dadurch wird die Belastung reduziert, wenn das Wasser die Außenflächen des Antriebs kühlt und der Fahrwiderstand des Fahrzeugs stark zunimmt.
Für die Temperaturregelung sorgt ein vollständig aktives Kühlsystem mit zwei Kreisläufen. Die Schmierung übernimmt eine Ölpumpe mit variabler Förderleistung, die Ölmenge und -druck an die Betriebsbedingungen anpasst. Für längere Phasen hoher Belastung sind außerdem ein Aluminiumblock in Portalbauweise, ein integrierter Abgaskrümmer und ein vereinfachtes Ausgleichswellensystem relevant.
Was IPX8 bedeutet
Der IP-Code klassifiziert den Schutz von Gehäusen gegen das Eindringen fester Fremdkörper und Wasser. Das X bedeutet, dass im Code keine Schutzklasse gegen Staub angegeben ist. Die Ziffer 8 steht für das Eintauchen in Wasser. Das Klassifizierungssystem ist im Standard IEC 60529 festgelegt. Für den B20 hat HORSE die konkrete Betriebsbedingung präzisiert: eine Tiefe von bis zu 1,1 Metern. Wie lange der Motor dabei eingetaucht bleiben darf, wurde in der offiziellen Mitteilung vom 8. September nicht angegeben.
Wie ein Wirkungsgrad von 48,4% erreicht werden soll
Der B20 arbeitet nach dem Miller-Zyklus. Bei diesem Motorkonzept wird der Zeitpunkt des Schließens der Einlassventile so gewählt, dass das tatsächliche Verdichtungsverhältnis gegenüber dem Expansionsverhältnis reduziert wird. Das kann einen Teil der Pump- und Wärmeverluste verringern, erfordert aber eine präzise Abstimmung von Aufladung, Einspritzung und Ventilsteuerung.
HORSE nennt außerdem Hochdruckeinspritzventile und Einlasskanäle, die eine intensive Luftbewegung im Zylinder erzeugen. Die Kolbenform nutzt einen Verdrängungseffekt, der das Gemisch am Ende des Verdichtungstakts zur Zündkerze führt. Ziel dieser Maßnahmen ist es, Benzin und Luft schneller zu vermischen und eine stabilere Verbrennung zu ermöglichen.
Eine Steigung von 100% entspricht nicht einem Winkel von 100 Grad
HORSE gibt an, dass der B20 bei einer Steigung von 100% stabil arbeitet. Bei Angaben im Straßenbau beschreibt der Prozentwert das Verhältnis von Höhengewinn zu horizontaler Strecke. Eine Steigung von 100% entspricht einem Verhältnis von 1:1 und damit einem Winkel von etwa 45 Grad. Das ist eine Eigenschaft des Prüfmodus für den Motor und keine Bestätigung dafür, dass jedes Fahrzeug mit B20 eine solche Steigung bewältigen kann.
Was der Motor leistet und was das Fahrzeug leisten muss
Die Abdichtung des B20 schützt den Motor selbst und seine Elektronik. Ob ein Fahrzeug eine Furt durchqueren kann, hängt jedoch nicht nur vom Motor ab. Der Fahrzeughersteller muss auch die Hochvoltbatterie, die Traktionselektromotoren, die Leistungselektronik, Steckverbindungen, das Getriebe und die Belüftungskanäle schützen. Entscheidend sind außerdem die Position des Lufteinlasses, die Dichtheit der Karosserie, die Einbauhöhe der Steuergeräte und der durch das Wasser erzeugte Auftrieb.

Die Tiefe von 1,1 Metern bezieht sich auf die angegebenen Fähigkeiten des HORSE B20 und gilt nicht automatisch für jedes Fahrzeug mit diesem Motor. Die zulässige Wassertiefe und die Geschwindigkeit beim Durchqueren einer Furt muss der Hersteller des jeweiligen Modells angeben. Unter der Wasseroberfläche kann sich eine Vertiefung befinden, die Strömung kann das Fahrzeug versetzen, und eine Bugwelle kann kurzzeitig höher als die gemessene Wassertiefe werden.
Was bisher nicht bekannt ist
der Beginn der Serienproduktion des HORSE B20;
die Dauer des Betriebs bei 1,1 Metern Wassertiefe im offiziellen Prüfmodus;
die Liste der Fahrzeuge, die den Motor neben dem Galaxy Cruiser 700 erhalten sollen;
der Preis des Antriebsstrangs und dessen Produktionsvolumen;
die Ausführung von Ansaugung und Abgasführung im fertigen Fahrzeug;
der Kraftstoffverbrauch und die technischen Daten des gesamten Hybridsystems im Galaxy Cruiser 700.
Der HORSE B20 zeigt, dass es bei der Weiterentwicklung von Hybridantrieben nicht nur um Effizienz und Reichweite geht. Bei Geländefahrzeugen müssen die Hersteller gleichzeitig Lösungen für Kühlung, Abdichtung, Schmierung und elektronische Steuerung während des Eintauchens finden.
Das wichtigste Ergebnis der Entwicklung ist nicht die Möglichkeit, „unter Wasser zu fahren“, sondern der Erhalt der Motorfunktion beim Durchqueren einer tiefen Furt. Wie nützlich diese Technologie in der Praxis ist, lässt sich erst beurteilen, wenn Serienfahrzeuge, Angaben zur zulässigen Wattiefe und unabhängige Tests vorliegen.










