
Häufig gestellte Fragen
Der V12 blieb ein Saugmotor, doch Lamborghini veränderte Kraftstoffzufuhr, Hubraum, Anordnung und Antrieb. Vergaser wurden durch elektronische Einspritzung ersetzt, Allradantrieb kam hinzu, und der Revuelto erhielt drei Elektromotoren.
Der Aventador führte 2011 einen neuen 6,5-Liter-V12-Saugmotor ein. Er ersetzte die frühere Motorkonstruktion, die über Miura, Countach, Diablo und Murciélago weiterentwickelt worden war.
Der V12 des Revuelto leistet 825 CV. Das vollständige Hybridsystem mit seinen drei Elektromotoren erreicht 1015 CV.
Am 3. Oktober 2026 veröffentlichten Automobilmedien einen Vergleich von sechs Lamborghini-Modellen mit V12-Motor: Miura, Countach, Diablo, Murciélago, Aventador und Revuelto. Das carwow-Team ließ sie in Beschleunigungsrennen gegeneinander antreten, doch die Unterschiede zwischen den Fahrzeugen sind interessanter als das Ergebnis selbst. Die Abfolge dieser Modelle zeigt, wie sich Motoranordnung, Kraftstoffzufuhr, Getriebe und Antrieb verändert haben.
2026 jährt sich die Vorstellung des Miura zum 60. Mal. In dieser Zeit behielt der V12 seine Saugmotor-Bauweise bei, während sich fast alles um ihn herum veränderte: Vergaser wurden durch elektronische Einspritzung ersetzt, Allradantrieb kam hinzu, und im Revuelto arbeitet der Benzinmotor mit drei Elektromotoren zusammen.
Miura: Zwölf Zylinder quer zur Fahrzeuglängsachse
Am 10. März 1966 präsentierte Lamborghini den Miura auf dem Genfer Autosalon. Der V12 saß hinter dem Fahrgastraum, vor der Hinterachse und quer zur Fahrzeuglängsachse. Diese Anordnung ermöglichte einen kurzen Radstand, erforderte jedoch eine kompakte Verbindung von Motor und Getriebe.
Der ursprüngliche Miura P400 leistete 350 CV bei 7000 U/min. Auf ihn folgten der P400 S mit 370 CV und der SV mit 385 CV. In der offiziellen Miura-Historie beschreibt Lamborghini außerdem die weiteren Änderungen des SV von 1971: breitere Hinterreifen, ein verstärktes Fahrgestell, eine überarbeitete Fahrwerksabstimmung und eine separate Getriebeschmierung.

Das zeigt, warum die Entwicklung eines Modells nicht allein anhand der Leistung beurteilt werden kann. Der Zuwachs vom ersten P400 zum SV betrug 35 CV, doch die Änderungen beeinflussten auch, wie das Fahrzeug seine Leistung auf die Straße übertrug und wie die mechanischen Komponenten angeordnet waren.
Countach: Der Motor wurde längs eingebaut, das Getriebe rückte nach vorn
Das Countach-LP500-Konzeptfahrzeug wurde im März 1971 in Genf gezeigt, während der Serien-LP400 1974 auf den Markt kam. Anders als beim quer eingebauten Motor des Miura wurde der Motor längs angeordnet. Das Getriebe saß vor dem V12, beinahe zwischen den Sitzen.
Der erste LP400 besaß einen Vierzylindermotor mit 375 CV. Später wurde der Hubraum vergrößert: Der Countach 5000S erreichte 4,8 Liter, während der Quattrovalvole 5,2 Liter nutzte. Letzterer erhielt Zylinderköpfe mit vier Ventilen pro Zylinder; die Version mit Vergasern leistete 455 CV.
Der Name Quattrovalvole bezieht sich direkt auf diese vier Ventile. Die neue Bezeichnung stand für eine konkrete Überarbeitung des Motors und nicht lediglich für eine andere Karosserie oder Ausstattung.
Wo sitzt das Getriebe?
Beim Countach befindet sich der Motor hinter dem Fahrgastraum, das Getriebe jedoch vor dem Motor. Daher beschreibt der Begriff „Mittelmotoranordnung“ nicht die Position aller wichtigen Komponenten vollständig. Der V12 des Miura ist quer eingebaut, der des Countach längs, während das Getriebe des Revuelto hinter dem Motor sitzt und ebenfalls quer angeordnet ist. Die Getriebeanordnung veränderte sich mit den Anforderungen an das Fahrzeug, obwohl der Motor hinter Fahrer und Beifahrer blieb.

Diablo und Murciélago: Einspritzung und Allradantrieb
Lamborghini präsentierte den Diablo am 21. Januar 1990. Sein 5,7-Liter-V12 leistete 492 CV und nutzte eine elektronische Einspritzung. Der Motor basierte weiterhin auf einer Konstruktion, die aus früheren Lamborghini-V12 weiterentwickelt worden war, doch die Kraftstoffdosierung hing nicht mehr von Vergasern ab.
Der erste Diablo hatte Hinterradantrieb. 1993 kam der allradgetriebene Diablo VT hinzu; eine Viskokupplung konnte einen Teil des Drehmoments an die Vorderräder leiten. Dadurch können sich zwei Diablo-Versionen bei der Antriebstechnik deutlich unterscheiden, selbst wenn sie sich äußerlich weitgehend ähneln.
Der Murciélago debütierte im September 2001 auf der IAA in Frankfurt. Sein anfänglicher 6,2-Liter-V12 leistete 580 CV, und Allradantrieb gehörte von Beginn an zum Konzept des Modells. Die Baureihe erreichte schließlich 670 CV im LP 670-4 SV.
In dieser Phase steigerte Lamborghini nicht nur die Motorleistung. Die Weiterentwicklung des Antriebs erweiterte die Möglichkeiten, die Kraft auf die Straße zu bringen: Zu den Hinterrädern kamen die Vorderräder als angetriebene Räder hinzu, und das Traktionsmanagement wurde komplexer.
Aventador: Ein neuer V12 statt einer weiteren Überarbeitung des alten Motors
2011 stellte Lamborghini den Aventador LP 700-4 vor. Er wurde um einen neuen 6,5-Liter-V12-Saugmotor mit 700 CV entwickelt. Außerdem erhielt das Fahrzeug ein Monocoque aus Kohlefaser und Allradantrieb.

Das markiert einen wichtigen Einschnitt in der Geschichte des Motors. Miura, Countach, Diablo und Murciélago waren durch die Weiterentwicklung von Lamborghinis ursprünglicher V12-Konstruktion miteinander verbunden; mit dem Aventador begann dank eines neuen Motors ein weiteres Kapitel. Zwölf Zylinder zu haben bedeutet nicht, dass jede Generation denselben Motor mit größerem Hubraum verwendete.
Der Aventador-Motor wurde im Laufe der Zeit weiter verfeinert. Im SVJ erreichte die Leistung beispielsweise 770 CV. Auch diese Version hatte keine Elektromotoren: Ihr V12-Benzinmotor trieb das Fahrzeug allein an.
Sechs Generationen: So stieg die Leistung
Die Tabelle führt die ursprünglichen Serienversionen der Modelle auf. So lässt sich die Entwicklung jeder Generation nachvollziehen, ohne den Basis-Miura mit dem späteren Aventador SVJ oder einer speziellen Revuelto-Version zu vermischen.
Modell | Debütjahr der Version | Nennhubraum des V12 | Leistung des V12 | Wichtigste Änderung |
|---|---|---|---|---|
Miura P400 | 1966 | 4.0 l | 350 CV | Quer eingebauter Motor hinter dem Fahrgastraum |
Countach LP400 | 1974 | 4.0 l | 375 CV | Längs eingebauter Motor, Getriebe davor |
Diablo | 1990 | 5.7 l | 492 CV | Elektronische Einspritzung; Allradantrieb später beim VT |
Murciélago | 2001 | 6.2 l | 580 CV | Allradantrieb ab Produktionsbeginn |
Aventador LP 700-4 | 2011 | 6.5 l | 700 CV | Neuer V12 und Monocoque aus Kohlefaser |
Revuelto | 2023 | 6.5 l | 825 CV | Drei Elektromotoren; 1015 CV für das Gesamtsystem |
Der Hubraum wird mit den gerundeten Bezeichnungen des Herstellers angegeben. Die Leistung ist in metrischen Pferdestärken angegeben, die Lamborghini als CV bezeichnet. Die Versionen aus dem jüngsten carwow-Rennen unterscheiden sich teilweise von den Fahrzeugen in der Tabelle: Im Rennen trat beispielsweise ein Miura SV statt des ursprünglichen P400 an.
Revuelto: Der V12 wird Teil eines Hybridsystems
Am 29. März 2023 präsentierte Lamborghini den Revuelto, einen serienmäßigen Plug-in-Hybrid mit V12. Sein 6,5-Liter-Saugmotor leistet 825 CV bei 9250 U/min. Zusammen mit drei Elektromotoren liefert der Antriebsstrang 1015 CV.
Zwei Elektromotoren sitzen an der Vorderachse, während der dritte mit dem hinteren Getriebe verbunden ist. Das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe ist quer hinter dem V12 angeordnet. Die Lithium-Ionen-Batterie befindet sich im Mitteltunnel, der zuvor für die mechanische Verbindung zur Vorderachse genutzt wurde.

Die Anordnung des Antriebsstrangs lässt sich auf der offiziellen Revuelto-Seite nachvollziehen. Durch den weiterhin eingesetzten Saugmotor veränderte Lamborghini die Auslegung des Allradantriebs: Die Vorderräder werden von Elektromotoren angetrieben.
825 oder 1015 CV: Was sollte mit dem Miura verglichen werden?
1015 CV ist die Leistung des gesamten Hybridsystems und nicht die des V12 allein. Für den Vergleich der Benzinmotoren sind die 825 CV des Revuelto und die 350 CV des ursprünglichen Miura relevant. Um die Fahrzeuge als Ganzes zu vergleichen, müssen auch Elektromotoren, Gewicht, Reifen, Antrieb und Getriebe berücksichtigt werden. Lamborghini führt die Motorleistung im technischen Revuelto-Datenblatt separat auf.
Was ein Rennen zwischen alten und neuen Lamborghinis zeigt
Im carwow-Vergleich kam der aktuelle Revuelto vor dem Aventador und dem Murciélago ins Ziel. Bei den klassischen Fahrzeugen hing das Ergebnis ebenfalls von der Startmethode ab: Einige Rennen wurden als Rollstarts ausgetragen, um die Kupplungen zu schonen. Diese Beobachtungen stammen aus einem einzelnen Test und sind weder offizielle Beschleunigungswerte noch eine allgemeingültige Rangliste aller Lamborghini-Versionen.
Für Leser ist das Rennen ein anschaulicher Vergleich verschiedener technischer Ansätze. Bei den klassischen Fahrzeugen bedient der Fahrer Kupplung und Gänge direkt; der moderne Hybrid verteilt das Drehmoment auf mehrere Motoren. Die gleiche Zylinderzahl führt nicht dazu, dass sich die Fahrzeuge gleich verhalten.
In 60 Jahren veränderte sich nicht nur der V12, sondern auch die Nutzung seiner Leistung. Beim Miura musste ein großer Motor kompakt untergebracht werden, der Countach führte eine andere Anordnung ein, und Diablo sowie Murciélago brachten neue Systeme für Kraftstoffzufuhr und Antrieb. Der Aventador erhielt einen neuen Motor, während der Revuelto einen V12-Saugmotor mit elektrischem Antrieb kombinierte. Diese Veränderungen erklären die Unterschiede zwischen den Generationen besser als eine einzelne Leistungszahl.










