
Am 10. August 2026 präsentierte Eccentrica den V12 Roadster – die offene Version seines Restomods auf Basis eines frühen Lamborghini Diablo. Dabei handelt es sich weder um einen restaurierten Diablo noch um einen neuen Lamborghini: Eccentrica betont ausdrücklich, dass keine Verbindung zu Automobili Lamborghini besteht. Der Ansatz ist ein anderer: Ein Fahrzeug aus den 1990er-Jahren erhält vollständig überarbeitete Technik, behält aber seinen frei saugenden V12 und ein manuelles Getriebe.
Die öffentliche Premiere des Roadsters ist für den 14. August 2026 im Rahmen von The Quail, A Motorsports Gathering, angesetzt. Bis zu den ersten unabhängigen Tests stammen nahezu alle technischen Angaben vom Hersteller. Das schmälert den Wert des Projekts nicht, erfordert aber eine sorgfältige Einordnung: Die angegebenen 550 PS, 3,8 Sekunden auf 100 km/h und 335 km/h Höchstgeschwindigkeit müssen sich auf der Straße erst noch bestätigen.
Was Eccentrica genau verändert hat
Als Ausgangspunkt dient ein Diablo der ersten Serie. Laut Eccentrica entfallen auf jedes Fahrzeug mehr als 3 500 neue Teile: Karosserie, Chassis, Fahrwerk, Bremsen, Elektronik und Innenraum werden neu aufgebaut. Das ist kein kosmetisches Paket für einen fertigen Supersportwagen, sondern ein tiefgreifender Umbau des Spenderfahrzeugs. Die offizielle Projektbeschreibung und die Termine der Premiere wurden in der Eccentrica-Pressemitteilung vom 10. August 2026 veröffentlicht.

Merkmal | Angaben von Eccentrica |
|---|---|
Motor | 5,7-Liter-V12 ohne Aufladung |
Leistung und Drehmoment | 550 PS bei 7 000 U/min und 600 N·m bei 6 500 U/min |
Getriebe | 6-Gang-Handschaltung mit offen liegender Schaltkulisse |
Karosserie und Grundstruktur | Stahlrohrrahmen mit Karbonverstärkungen; vollständig aus Karbon gefertigte Karosserie |
Fahrwerk und Bremsen | Doppelquerlenker, semiaktive Dämpfer; Brembo 380 mm vorn und 345 mm hinten |
Auflage | 19 Exemplare |
Warum nach dem Entfernen des Dachs Karbon nötig war
Beim Coupé ist das Dach Bestandteil der tragenden Struktur. Wird es entfernt, ohne die Konstruktion anzupassen, verwindet sich die Karosserie auf unebenen Straßen stärker. Türen und Scheiben können ihre Geometrie schlechter halten, und die Fahrwerksabstimmung funktioniert möglicherweise nicht mehr wie vorgesehen. Für den Roadster behielt Eccentrica den Stahlrahmen bei, ergänzte ihn um strukturelle Karbonverstärkungen und fertigte die Karosseriebleche aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff.

Das Unternehmen nennt außerdem eine breitere Spur, eine neue Fahrwerksgeometrie, semiaktive Dämpfer und eine separate aerodynamische Auslegung der Luftströmung rund um den offenen Innenraum. Eine vollständige Beschreibung der Konstruktion findet sich auf der offiziellen V12-Roadster-Seite. Einen Wert für die Torsionssteifigkeit veröffentlicht Eccentrica jedoch nicht. Daher lässt sich nicht seriös sagen, wie viel steifer oder weicher die offene Version im Vergleich zum ursprünglichen Diablo ist – bekannt ist lediglich die Liste der vorgenommenen Änderungen.
Das Karbon ist nicht nur für die Optik da
Im Roadster erfüllt der kohlenstofffaserverstärkte Kunststoff mehrere Aufgaben: Er kann das Gewicht der Karosserieteile reduzieren, ermöglicht größere Freiheit bei deren Form und trägt zur Verstärkung der Struktur bei. Karbon allein macht ein Auto jedoch nicht besser. Das Ergebnis hängt von der Auslegung des Rahmens, den Befestigungspunkten, der Fahrwerksabstimmung und der Gewichtsverteilung ab. Deshalb lässt sich das Fahrzeug nicht unabhängig von seiner Gesamtkonstruktion anhand des Karosseriematerials bewerten.

Warum die Handschaltung erhalten bleibt
Eccentrica wollte nicht die schnellste Diablo-Variante mit den kürzesten Schaltzeiten bauen. Die 6-Gang-Handschaltung mit offener Schaltkulisse und kurzen Übersetzungen fordert den Fahrer: den richtigen Gang wählen, die Kupplung lösen und beim Herausbeschleunigen aus der Kurve präziser mit dem Gas umgehen. Zusammen mit dem frei saugenden V12 entsteht dadurch ein anderer Rhythmus als bei einem modernen Supersportwagen mit automatisiertem Getriebe.

Diese Lösung hat auch Nachteile. Beim Beschleunigen ist eine Handschaltung langsamer als ein Automatikgetriebe, erfordert Erfahrung und kann im dichten Verkehr anstrengend sein. Für ein Alltagsauto wäre das möglicherweise ein Minuspunkt; bei einer auf 19 Exemplare begrenzten Roadster-Serie gehört es bewusst zum Charakter des Projekts. Auch der reguläre Eccentrica V12 erhielt ein 6-Gang-Handschaltgetriebe. Das technische Konzept beschrieb das Unternehmen in der Mitteilung zum Produktionsstart vom 5. Mai 2025.
Motor: ein überarbeiteter V12, kein neues Triebwerk
Der Roadster nutzt einen überarbeiteten 5,7-Liter-V12 ohne Aufladung. Eccentrica nennt eine neu abgestimmte Motorsteuerung, eine verbesserte Kühlung und eine optimierte Luftführung. Die angegebene Leistung beträgt 550 PS bei 7 000 U/min und 600 N·m bei 6 500 U/min. Der Antrieb erfolgt ausschließlich über die Hinterräder.
Außerdem gibt das Unternehmen ein Gewicht von 1 540 kg, eine Gewichtsverteilung von 41:59 zugunsten der Hinterachse, eine Beschleunigung auf 100 km/h in 3,8 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 335 km/h an. Diese Zahlen sind als Herstellerangaben zu verstehen, nicht als Ergebnisse unabhängiger Messungen.
Was künftige Besitzer wissen sollten
Der Preis des Roadsters wurde bisher nicht veröffentlicht. Zusätzlich wird ein geeigneter Diablo als Spenderfahrzeug benötigt.
Jedes der 19 Fahrzeuge wird nach einer individuellen Spezifikation aufgebaut; identische Exemplare wird es nicht geben.
Vor dem Kauf sollten die Vorgaben für Zulassung, Versicherung und Wartung eines Restomods im jeweiligen Einsatzland separat geprüft werden.
Herkunft und Zustand des Spenderfahrzeugs sind entscheidend: Sie beeinflussen sowohl den Wert des Projekts als auch die Qualität des Ergebnisses.
Die zentrale Aussage
Der Eccentrica V12 Roadster versucht nicht, den Diablo in seinem Werkszustand zu bewahren. Die Karbonkarosserie, der verstärkte Rahmen, das neue Fahrwerk und die modernen Bremsen sollen dafür sorgen, dass das offene Fahrzeug als geschlossenes Gesamtsystem funktioniert. Die Handschaltung bewahrt dagegen etwas, das bei neuen Supersportwagen selten geworden ist: die direkte Verbindung zwischen den Handlungen des Fahrers, der Drehzahl des frei saugenden V12 und der Arbeit der Hinterräder. Darin liegt die Logik des Restomods: Die Schwächen der Vergangenheit neu zu lösen, ohne den ursprünglichen Charakter aufzugeben.











