
Am 26. September 2026 veröffentlichte Car and Driver einen Ladevergleich zwischen dem Chevrolet Bolt des Modelljahrs 2027 und dem Bolt EUV von 2022. Das neue Fahrzeug absolvierte den Ladebereich von 10 bis 90 % in 38 Minuten, das ältere Modell benötigte dafür 83 Minuten. Unter den Bedingungen des Redaktionstests ergibt sich bei einem Ladestopp ein Unterschied von 45 Minuten.
Für alle, die ein Elektroauto auswählen, verändert das einen wichtigen Vergleichspunkt: Wie lange steht das Fahrzeug zwischen zwei Etappen an der Ladestation? Die Ladegeschwindigkeit sollte jedoch immer zusammen mit der Reichweite und der Verfügbarkeit geeigneter Lademöglichkeiten bewertet werden.
Drei Daten erklären, was genau passiert ist
Am 9. Oktober 2025 stellte Chevrolet den zurückkehrenden Bolt des Modelljahrs 2027 vor. In der offiziellen Mitteilung von GM steht, dass die endgültigen technischen Daten am 12. Januar 2026 ergänzt wurden.
Am 9. März 2026 veröffentlichte Chevrolet eine Erklärung zu den technischen Änderungen: zur neuen Batterietechnologie und zur Verwendung von Komponenten aus anderen Elektrofahrzeugen von GM.
Am 26. September 2026 erschien der Ladevergleich zwischen dem alten und dem neuen Bolt. Das ist das Veröffentlichungsdatum der Ergebnisse, nicht der Termin der Fahrzeugpremiere.
Die Bezeichnung „2027“ bezieht sich auf das Modelljahr. Sie bedeutet nicht, dass das Fahrzeug erstmals 2027 vorgestellt wurde.
Das zeigt der Ladetest
Messwert | Bolt EUV 2022 | Bolt 2027 |
|---|---|---|
Ladezeit von 10 bis 90 % | 83 Minuten | 38 Minuten |
Durchschnittliche Leistung in diesem Ladebereich | 41 kW | 94 kW |
Maximale Ladeleistung | 57 kW | 148 kW |
Für die Planung eines Ladestopps ist die durchschnittliche Leistung aussagekräftiger als ein kurzfristiger Spitzenwert. Der Spitzenwert zeigt die maximale Geschwindigkeit der Energieübertragung, beschreibt aber nicht den gesamten Ladevorgang. Je länger das Fahrzeug eine hohe Leistung halten kann, desto kürzer fällt die Wartezeit aus.
Warum 25 und 38 Minuten kein Widerspruch sind
Chevrolet nennt etwa 25 Minuten für das Laden von 10 auf 80 %. In der Tabelle wurde ein längerer Ladebereich bis 90 % gemessen. Die zusätzlichen zehn Prozentpunkte lassen sich nicht einfach proportional hinzurechnen: Die Ladeleistung muss über den gesamten Ladezustand hinweg nicht gleich bleiben.

Der Hersteller weist außerdem darauf hin, dass die Ladezeit vom anfänglichen Ladezustand, vom Zustand und der Temperatur der Batterie, von den Fahrzeugeinstellungen und von der Leistung der Ladestation abhängt. Deshalb sind 25 Minuten ein Richtwert des Herstellers und keine garantierte Dauer für jeden Ladestopp.
Die Batterie wurde geändert, ihre Kapazität ist aber nicht gestiegen
In den offiziellen technischen Daten des neuen Bolt ist eine LFP-Batterie mit einer Kapazität von 65 kWh angegeben. LFP steht für Lithium-Eisenphosphat. In einem technischen Beitrag vom 9. März 2026 führt Chevrolet die schnellere Ladung auf den Wechsel zu neuen Batteriezellen zurück.
Der leitende Entwicklungsingenieur des Modells, Jeremy Short, erklärt, dass die Batteriekapazität unverändert geblieben ist. Die größere Reichweite wurde durch effizientere Antriebskomponenten erreicht. Der Bolt verwendet einen Elektromotor und Leistungselektronik, die auch im Equinox EV zum Einsatz kommen. Dadurch lässt sich das Fahrzeug verbessern, ohne eine größere Batterie einzubauen.
Wie viel der angegebenen Reichweite auf der Autobahn übrig bleibt
Die offizielle EPA-Reichweitenangabe für den Bolt 2027 beträgt 262 Meilen, also rund 422 km, mit voll geladener Batterie. In einem am 22. Juni 2026 veröffentlichten Test von MotorTrend fuhr das Fahrzeug 217 Meilen – etwa 349 km – bei einer Geschwindigkeit von 70 Meilen/h, also ungefähr 113 km/h.
Das sind zwei unterschiedliche Bewertungsmethoden. Der EPA-Wert ermöglicht den Vergleich von Fahrzeugen nach einem standardisierten Verfahren. Der Autobahntest zeigt dagegen das Ergebnis eines konkreten Fahrzeugs unter einem konkreten Fahrprofil. MotorTrend bemängelte außerdem die Geräuschentwicklung bei höherem Tempo und das nicht ausreichend ruhige Fahrverhalten auf unebener Strecke. Eine höhere Ladegeschwindigkeit beseitigt diese Eigenschaften nicht automatisch.
Die volle Reichweite ist nicht die Entfernung zwischen zwei Ladestationen
Beginnt der nächste Streckenabschnitt mit 80 % Ladestand, steht dem Fahrer nicht die gesamte Energie einer voll geladenen Batterie zur Verfügung. Auch bei der Ankunft sollte eine Reserve verbleiben. Deshalb kann die maximale Reichweite nicht einfach als Entfernung zwischen zwei Stationen angesetzt werden: Bei der Routenplanung müssen der Ladezustand beim Start, der erwartete Verbrauch und der verbleibende Ladestand am Ziel berücksichtigt werden.

NACS: Nicht nur die Form des Steckers zählt
Der Bolt 2027 ist der erste Chevrolet mit serienmäßigem NACS-Anschluss. Nach Angaben der Marke ermöglicht er die Nutzung kompatibler Tesla-Supercharger und anderer Ladestationen dieses Standards. Entscheidend ist das Wort „kompatibel“: Ein passender Stecker allein ersetzt nicht die Prüfung, ob der Zugang zur konkreten Ladestation möglich ist.

Wer ein nordamerikanisches Fahrzeug kauft und es in einem anderen Land nutzen möchte, sollte die lokale Ladeinfrastruktur vor dem Kauf prüfen. Zu klären ist, wo genau dieses Fahrzeug geladen werden kann, welche Ausrüstung benötigt wird und ob der Ladevorgang über den Dienst des jeweiligen Betreibers gestartet werden kann.
Unerwartete Empfehlung: einmal pro Woche auf 100 % laden
In der offiziellen Anleitung von Chevrolet wird für den Bolt des Modelljahrs 2027 und neuere Modelle empfohlen, die Batterie regelmäßig einmal pro Woche auf 100 % zu laden. Die Marke begründet dies mit einer präziseren Anzeige des Ladezustands und der verfügbaren Reichweite sowie mit dem Erreichen einer höheren durchschnittlichen Schnellladegeschwindigkeit.
Die Empfehlung, auf 100 % zu laden, bedeutet nicht, dass dies bei jedem Ladestopp unterwegs erforderlich ist. Eine regelmäßige Vollladung und die Wahl des Ladezustands für den nächsten Streckenabschnitt erfüllen unterschiedliche Zwecke. Maßgeblich ist die Anleitung des jeweiligen Fahrzeugs: Die Empfehlungen für den neuen Bolt lassen sich nicht auf den früheren Bolt EUV übertragen.
Was vor einer langen Fahrt geprüft werden sollte
Die Kompatibilität der Ladestation mit dem Fahrzeug und die Möglichkeit, den Ladevorgang zu starten.
Die verfügbare Ladeleistung: Eine langsame öffentliche Ladestation liefert nicht das Ergebnis einer schnellen DC-Ladestation.
Den voraussichtlichen Ladezustand bei der Ankunft und nicht nur die Entfernung bis zum nächsten Ladepunkt.
Eine alternative Ladestation für den Fall, dass die ausgewählte Station belegt oder nicht verfügbar ist.
Die Empfehlungen von Chevrolet zur regelmäßigen Vollladung der Batterie.
Der neue Bolt verkürzt die Zeit, die unterwegs zum Nachladen benötigt wird. Für Käufer ist das ein wesentlicher Unterschied zum Vorgängermodell. Ob sich das Fahrzeug für lange Fahrten eignet, hängt trotzdem von drei Faktoren ab: der Ladezeit, dem Verbrauch auf der Autobahn und den Ladestationen entlang der üblichen Strecke.











